Vielfalt leben

Familien mit Menschen mit Down-Syndrom sind wie ganz durchschnittliche Familien. Generell sollte doch jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit und Besonderheit wahrgenommen werden. So wie sich die Natur in schier unendlicher Farbenpracht und exotischen Exemplaren präsentiert, wie immer wieder neue Kompositionen im Bereich der Musik entstehen, das Kaleidoskop sozusagen unendliche viele Möglichkeiten ausweist – so ist auch jeder Mensch ein einzigartiges  Ergebnis der Schöpfung. Wissen Sie was? Menschen mit Down-Syndrom sind ebenso so unterschiedlich wie „Du und ich“. Ihr Lebensweg ist genauso wenig vorhersehbar wie der der Erdenbürger ohne Trisomie 21. Manche können schon mit fünf Jahres lesen, andere noch nicht einmal als Jugendliche, manche betreiben später ihr eigenes Café, andere arbeiten im Dienstleistungsbereich, wieder andere studieren – wie der prominente Pablo Pineda aus Spanien. Ein  genialer Rhetoriker, ein studierter Pädagoge, ein Kino-Darsteller, ein Herr mit Down-Syndrom. Eine liebe Freundin hat aber mal zu mir gesagt: „Wichtig ist doch nicht, ob Dein Kind studiert oder nicht, sondern nur ob es glücklich und zufrieden ist.“ Und was soll ich sagen: Sie hat Recht. Kinder wie auch Erwachsene mit Down-Syndrom haben die gleiche Chance auf ein ausgefülltes Leben wie die Menschen ohne das zusätzliche Chromosom. Darum geht es auch in erster Linie: Mädchen und Jungen, Männer und Frauen mit Trisomie 21 leiden nicht an dem Down-Syndrom – wie so oft geschrieben wird. Sie haben dies halt als genetische Besonderheit. Eine Krankheit ist es nicht. Und Ruth Cromer, eine junge Frau mit Dwn-Syndrom, betonte außerdem bei einem DS-Weltkongress: „Ich bin keine Behinderte. Ich bin ein Mensch mit einem Handikap. An erster Stelle bin ich ein Mensch.“  Warum erzähle ich das alles? Weil in der Gesellschaft oft  noch ein falsches Bild herumschwirrt. „Die verbreitete Angst vor einem Kind mit Down-Syndrom beruht nämlich weniger auf der Erfahrung von Familien, die ein Kind mit Down-Syndrom haben, als auf einem gesellschaftlichen Mythos, der allerdings ausgesprochen wirkungsvoll ist“, erklärt die Ethikerin Dr. Sigrid Graumann. So sei die hohe Prozentzahl der Schwangerschaftsabbrüche bei der Diagnose Trisomie 21 zu erklären. Und der neue Bluttest für Schwangere wird durch seine Ausrichtung, speziell Kinder im Mutterleib mit Down-Syndrom ausfindig zu machen, verstärkt falsche Bilder in den Köpfen der Menschen festsetzen. Dabei ist zu befürchten, dass Menschen mit Trisomie 21 verstärkt an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Durch die neue Untersuchungsmethode werden Menschen mit Trisomie 21 diskriminiert.

Familien mit Menschen mit Down-Syndrom sind wie ganz durchschnittliche Familien. Generell sollte doch jeder Mensch in seiner Einzigartigkeit und Besonderheit wahrgenommen werden. So wie sich die Natur in schier unendlicher Farbenpracht und exotischen Exemplaren präsentiert, wie immer wieder neue Kompositionen im Bereich der Musik entstehen, das Kaleidoskop sozusagen unendliche viele Möglichkeiten ausweist – so ist auch jeder Mensch ein einzigartiges  Ergebnis der Schöpfung. Wissen Sie was? Menschen mit Down-Syndrom sind ebenso so unterschiedlich wie „Du und ich“. Ihr Lebensweg ist genauso wenig vorhersehbar wie der der Erdenbürger ohne Trisomie 21. Manche können schon mit fünf Jahres lesen, andere noch nicht einmal als Jugendliche, manche betreiben später ihr eigenes Café, andere arbeiten im Dienstleistungsbereich, wieder andere studieren – wie der prominente Pablo Pineda aus Spanien. Ein  genialer Rhetoriker, ein studierter Pädagoge, ein Kino-Darsteller, ein Herr mit Down-Syndrom. Eine liebe Freundin hat aber mal zu mir gesagt: „Wichtig ist doch nicht, ob Dein Kind studiert oder nicht, sondern nur ob es glücklich und zufrieden ist.“ Und was soll ich sagen: Sie hat Recht. Kinder wie auch Erwachsene mit Down-Syndrom haben die gleiche Chance auf ein ausgefülltes Leben wie die Menschen ohne das zusätzliche Chromosom. Darum geht es auch in erster Linie: Mädchen und Jungen, Männer und Frauen mit Trisomie 21 leiden nicht an dem Down-Syndrom – wie so oft geschrieben wird. Sie haben dies halt als genetische Besonderheit. Eine Krankheit ist es nicht. Und Ruth Cromer, eine junge Frau mit Dwn-Syndrom, betonte außerdem bei einem DS-Weltkongress: „Ich bin keine Behinderte. Ich bin ein Mensch mit einem Handikap. An erster Stelle bin ich ein Mensch.“  Warum erzähle ich das alles? Weil in der Gesellschaft oft  noch ein falsches Bild herumschwirrt. „Die verbreitete Angst vor einem Kind mit Down-Syndrom beruht nämlich weniger auf der Erfahrung von Familien, die ein Kind mit Down-Syndrom haben, als auf einem gesellschaftlichen Mythos, der allerdings ausgesprochen wirkungsvoll ist“, erklärt die Ethikerin Dr. Sigrid Graumann. So sei die hohe Prozentzahl der Schwangerschaftsabbrüche bei der Diagnose Trisomie 21 zu erklären. Und der neue Bluttest für Schwangere wird durch seine Ausrichtung, speziell Kinder im Mutterleib mit Down-Syndrom ausfindig zu machen, verstärkt falsche Bilder in den Köpfen der Menschen festsetzen. Dabei ist zu befürchten, dass Menschen mit Trisomie 21 verstärkt an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Durch die neue Untersuchungsmethode werden Menschen mit Trisomie 21 diskriminiert.

„Jedes Menschenleben ist gleich viel wert“ heißt es sinngemäß im Artikel 3 des Grundgesetzes. Warum dann die Zulassung und Einführung eines neuen Bluttests in der Schwangerschaft – genannt „nicht-invasiver pränataler Diagnostiktest zur Bestimmung von Trisomie 21″?! Hubert Hüppe, ehemaliger Behindertenbeauftragter der Bundesregierung, sagt dazu: „Der Test diskriminiert behinderte Menschen in der schärfsten Form. Er dient weder der Heilung noch der Gesundheit, sondern fast einzig dem Aufspüren und anschließenden Töten von Menschen mit Down-Syndrom.“ Huppe hält den Test nach dem neuen Gendiagnostikgesetz für illegal. Auch der Down-Syndrom Verein Hannover sagt „Nein“ zum Bluttest. Damit der respektvolle und verantwortliche Umgang mit jedem Menschen, auch im pränatalen Leben, eine soziale, solidarische Gemeinschaft weiterhin stärken kann. Denn nur diese bildet eine gesunde Gesellschaft.

Wahres Wissen kann Leben schenken. Wir wollen Ihnen einen neuen, ehrlichen und authentischen Blick geben. Und der sagt: Menschen mit Down-Syndrom gehören in die Mitte unserer Gesellschaft. Den Down-Syndrom Verein Hannover gibt es seit 1999 und seit dieser Zeit ist die gesellschaftliche Integration das Herzensthema. Und auch bei NONIPT steht das Thema oben an. #NoNIPT ist ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis, das verschiedenste Perspektiven auf das Thema „Kassenfinanzierung des Bluttests auf Trisomien“ in die gemeinsame Arbeit einbringt. Oberste Forderung ist unter anderem, dass eine kassenfinanzierte vorgeburtliche Selektion verhindert wird. Via Instagram und Facebook hat das Bündnis in kürzester Zeit bereits mehr als 15.000 Menschen erreicht. Jeden Tag besuchen um die 300 Menschen die Website. Dabei sein kann man unter https://nonipt.de/.

„World First“ beim Klimaschutz

Mit dem Machtwechsel in den Staaten gab es auch ein Umdenken in Sachen Klimaschutz. Auch dafür war es höchste Zeit. Und die Eile demonstrierte der US-Klimabeauftragte John Kerry bei seinem jüngsten Besuch in Berlin. Die Klimakonferenz in Glasgow im November sei die „letzte große Hoffnung“, noch rechtzeitig die Erderwärmung bei einem Plus von 1,5 Grad zu halten, war seine vorrangige Botschaft bei der Pressekonferenz im der Bundeshauptstadt. Und dass gerade in den ärmeren, noch nicht so stark entwickelten Ländern die Emissionen zu reduzieren seien und dafür mehr als 100‘Milliarden Dollar jährlich in der Vergangenheit hätten eingeplant werden müssen. Bidens Vorgänger, so weiß man, war ein Klimawandel-Leugner. Zeit und Geld seien knapp geworden, zog Kerry Resümee nach dem vorübergehen Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen. Biden hat diese Absage gleich nach seinem Amtsantritt wieder rückgängig gemacht. Und das war auch höchste Zeit. Die Vereinigten Staaten haben sich verpflichtet die CO2-Emissionen des Landes bis 2035 um 50 Prozent gegenüber dem Niveau von 2005 zu vermindern. In Berlin zeigte sich Kerry optimistisch, dass die internationale Gemeinschaft die „Katastrophe“ noch stoppen könne. Bleibt zu hoffen, dass nach den gewichtigen Worten auch starke Taten folgen. Und hoffentlich heißt es dann nicht nur „America First“, sondern gibt es eine weltweite Einigkeit beim Klimaachutz ganz vorn zu sein.

Ein Hund namens Wanda

Ich bin tief berührt. Manchmal schlittere ich so beim Zappen in Trash-Formate. Und so auch gestern Abend. Obwohl DSDS nicht ganz so trashig ist, sondern man als musikliebhabender TV-Gucker durchaus hin und wieder auf seine Kosten kommen kann. Auch gestern Abend gab’s Gänsehautmomente ob wunderbarer Stimmen. Aber tief berührt hat mich ein Protagonist auf vier Pfoten. Der Schäferhund namens Wanda begleitete Hristijan zum TV-Casting. Bereits als Welpe sei der treue Gefährte ihm zugelaufen und seit nun neun Jahren nicht mehr von seiner Seite gewichen, erzählte der junge Mann. Ein wirbelnder Lockenkopf, der seinen Platz im Leben noch nicht gefunden. Der wegen illegalen Waffenbesitzes zweieinhalb Jahre im Gefängnis saß.  Hristijan hat viel erlebt in seinem jungen Leben, Wanda ist seine Freundin geworden. Man hatte das Gefühl, die Hunde-Dame erdet ihn. Sie saß mit weisem Blick an seiner Seite, als würde sie ihre Ausgeglichenheit auf ihn übertragen wollen. Doch wie das vor einer prominenten Jury so vielen Kandidaten geht – auch  Hristijan war mega-aufgeregt und seine Unruhe mit dem ungewöhnlicher Smartphone-Begleitung des Originals „Nur noch kurz die Welt reden“ von Tim Bendzko machte seinen Auftritt nicht gerade zum Erfolgsgarant, um in den Recall zu kommen. Der junge Mann, der bereits harte Zeiten in der Schule erlebte, nahm’s aufgewühlt, aber doch einsichtig hin. Und es kam rüber, dass er sich über sich selbst ärgerte, dass er voll von planlosem Durcheinander in seinem ungeordneten Alltag sich nicht genügend vorbereitet hatte. Auf eine große Chance, auf einen anderen, künstlerisch geprägten Weg. Doch Wanda lief auch beim Verlassen der improvisierten Casting-Bühne auf einem deutschen Dampfer würdevoll neben ihm – ganz so als wollte sie ausdrücken „Das ist mein Mann!“ und dass sie stolz sei, auf ihr Herrchen. Da gehört ja auch eine gehörige Portion Mut dazu, sich der strengen DSDS-Jury zu stellen. Da braucht‘s schon jemanden, der einem zur Seite steht. Und bei Hristijan war es seine treue Begleiterin auf vier Pfoten. Wanda, seine Lebensgefährtin, Freundin, Vertraute, wie er selbst betonte. Ja, man hatte wirklich den Eindruck, dass die Schäferhündin auf ihr Herrchen gut aufpasst,  ihm in die Seele schaut und ihn auf einen guten Weg bringen will. Eine zufällige Begegnung hat Hristijan und Wanda fest zusammengeschweißt. Ja, gestern Abend gab’s ein berührendes Beispiel echter Vertrautheit und Verbundenheit zwischen ziemlich besten Freunden.

Glückstreffen

Mit Spannung haben wir jetzt unsere Botschaft in die Welt gebracht: Auf unterhaltsame Art und Weise wollen Franziska Berentin als Fotografin und ich als Autorin vermitteln, dass man vor Behinderung keine Berührungsängste zu haben braucht. Über ein Jahr lang waren wir in ganz Deutschland unterwegs. Unzählige Prominente angeschrieben, Locations gesucht, Termine gemacht, Unterstützer gefunden, tolle Familien in ganz Deutschland entdeckt, in der ein Kind/Jugendlicher mit Down-Syndrom lebt, einen Verlag gesucht und, und, und. Und jetzt ist es auf der Welt: unser Buch „Glückstreffen“.

So ein Glück: Barbara Wussow trifft Tim Alberti, Konstantin Wecker begegnet Elias Leppler und Ralf Moeller macht die Bekanntschaft mit Dirincan Bacak. Sie alle gehören zu den Hauptdarstellern in „Glückstreffen“. Den Foto/Storytelling-Band mit 25 Promis und 25 jungen Leuten mit Down-Syndrom prägen Geschichten. Emotional, informativ, unterhaltsam. Das Charity-Buchprojekt entstand mit Hilfe der ehrenamtlichen prominenten Botschafter und weiterer Unterstützer. Die Produktionskosten werden zu Dreiviertel durch den Verkauf finanziert. Jeder Cent nach Kostendeckung geht an die Down-Syndrom Vereine Berlin und Hannover.

„Glückstreffen“ – ISBN 978-3-945572-07-8. Jetzt überall im Buchhandel erhältlich, auch online. Wenn es gefällt, bitte teilen.

Liebesgeflüster und die City

Heute Abend muss ich über Sehnsüchte und verheißungsvolle Liebesbotschaften schreiben, über brennendes Verlangen und innbrünstiges Suchen – mag es die tropische Nacht sein, die mich da antreibt?! Fakt ist, der Bilderbuch-Sommer, unter dem so mancher Zeitgenosse ächzt und stöhnt, bringt mich viel mehr in die romantische Schwärmerei, bildet er doch die perfekte Kulisse für heiße Liebesschwüre und herzerwärmende Botschaften. So wie diese, die die Windschutzscheibe meines Autos ziert. „Ich suche Dich“ – so die neugierig machende Überschrift. Ups, was kann denn der anonyme Briefeschreiber von mir wollen, so mein erster Gedanke. Doch schon beim Weiterlesen wird mir schnell klar, dass ich in diesem Fall auf jeden Fall nicht die gefragte Person bin. Der Absender infosilvester-alth@yahoo.com sucht vielmehr unter dem Motto „Versuch 2.0“ eine Dame, die Silvester zufällig mit ihm in Alt Hannovers in Bekanntschaft gekommen sei. Die so Verehrte solle mit zwei Bekannten (eine Mutter mit ihrer Tochter) in der Kneipe gewesen sein, und er – der jetzt schreibende Galan – habe sie aus den Augen verloren, bevor er sie um ihre Telefonnummer habe bitten können. Als Stichworte gibt er Silvester – Alt Hannovers – Konfetti – Chilli – Kumpel EDEKA an.

Ich zerfließe – nein, nicht wegen der derzeitigen Hitzewelle – sondern vor lauter romantischen Gefühlen, die sich im Körper ihren Weg bahnen ob solcher emotionsgeladener Worte. Und bin erst Recht hin und weg, als ich bemerke, dass die Liebesbotschaft nicht nur an meinem Gefährt dekoriert ist, sondern anscheinend in der gesamten Südstadt Hannovers hie und da aushängt. Versteht sich von selbst, dass ich sich dieser anbahnenden Love-Story auf die Sprünge helfen möchte. Also, liebe Frauen an der Leine, welche von Euch fühlt sich angesprochen?  Der Absender infosilvester-alth@yahoo.com ist unter seiner E-Mail-Adresse schnell angeschrieben. Aber ich nehme alles zurück, wenn die Dame Silvester 2019 nicht zufällig von dem beharrlichen Briefeschreiber getrennt worden ist, sondern vielmehr aus ihrer Sicht geschickt den Rückzug angetreten hatte. Dann, hochverehrtes Mädel, vergiss meinen Vorschlag und teile dem Absender unter seiner digitalen Adresse vielleicht mit, dass er sich einen Versuch 3.0 sparen kann. Aber ebenso kann es sein, dass eine zufällige Herzensbrecherin in diesen tropischen August-Nächten sich doch von den Zeilen berührt und erkannt fühlt. Dann könnte genau jetzt eine der romantischsten Liebesgeschichte des Jahres beginnen …

Mal ein bisschen Müll abbauen

Höher, schneller, weiter … So geht’s zu in unserer Welt. Alles Dagewesene muss nochmal getoppt werden. Nichts ist gut genug, so scheint es. Natürlich ist es entwicklungsspezifisch notwendig, dass der Mensch ehrgeizig ist. Für viele gute Dinge, geniale Erfindungen wäre der Weg niemals geebnet worden. Und sowieso wären wir ohne Antrieb allesamt höchstwahrscheinlich auf den Laufstegen der Höhlen unterwegs. Doch warum kann der Mensch das sinnvolle Maß nicht finden? Warum muss es immer noch weiter hinauf gehen, wenn beispielsweise der Sprung-Athlet dort nur noch mit unterstützender, nicht gerade gesundheitsfördernder Medikation hingelangt? Für mich sind diese ungesunden Rekorde keine Erfolge, sondern reiner Wahnsinn. Höher, schneller, weiter soll es auch für die Menschen im Alltag gehen. Sekündlich, so scheint es, sollen wir die Informationsflut dieser Welt filtrieren und diese nach Möglichkeit auch noch liken oder eben mit einem Shitstorm bedenken, diese verarbeiten, im Hirn bewegen, verdauen, speichern oder ausscheiden. Auch das der reine Wahnsinn. Aber als Normalität im Alltag anerkannt. Kein Wunder also, dass immer mehr Menschen an Burn-Out und Co. erkranken.

Der Mensch schafft sich seine eigenen Müllberge, nicht nur im Wortsinne, sondern auch im übertragenen. In der Infooffensive der neuen Medien steckt nämlich genauso viel Überflüssiges wie im Abfallaufkommen der Deutschen. Das betrug 2018 rund 417,2 Millionen Tonnen, 1,2 Prozent mehr als noch im Jahr davor. Und so wie der Unrat der Reste und des Ramschs steigen, so nimmt auch der gedankliche Schrott zu. Und das wiederum hat ebenfalls etwas mit dem Ehrgeiz des Menschen zu tun. Der Fortschritt – eben die schnelle Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnik, die globale Vernetzung des Wissens sowie die Zunahme der Publikationsformen – sorgt für die Informationsüberflutung. Auf den ersten Blick wirkt die Vielfalt der Nachrichten wie ein Gewinn, doch in letzter Konsequenz verursacht der Haufen  an nicht recherchierten, unqualifizierten Nachrichten eher eine Passivität bei dem Empfänger. Die Überlastung führt zur Entscheidungsunfähigkeit. Damit stellt sich der Mensch einmal mehr ein Bein. So wie bei den sportlichen Rekorden: bei denen Athleten an die Grenzen ihrer körperlichen Belastbarkeit gehen, um den kurzen Erfolg zu haben. Der heute noch kürzer ist als je zuvor: weil eben auch dieser in der Informationsflut untergeht.

Und darum heißt die Devise wie auch schon  in der Urzeit: in sich hineinhorchen. Geht es um Bewegungsaktivitäten, meldet der Körper selbst, wann es ihm zu viel wird. Und wer auf dieses Zeichen hört, schluckt keine Pillen, um seinen Körper, seinen eigenen Motor, auszutricksen. Und leidet man unter dem Nachrichten-Wirrwar – einfach mal ein paar Kanäle ausschalten und sich ausschließlich bei seriösen Quellen informieren. Das macht klug und belastet nicht. Im Gegenteil: Wer hochwertige Nachrichten bewusst verwertet, ist gerüstet für anspruchsvolle Diskussionen und wirklich gute neue Ideen für eine humane Zukunft.

All you need is love

LoveHans Lüttich räuspert sich. Er hat eine aus seiner Sicht unangenehme Unterhaltung vor sich, aus Perspektive seiner Gesprächspartnerin wird sich diese richtig tragisch gestalten. Wir schreiben das Jahr 1945, die 23-Jährige Henni wartet sehnsüchtig auf ihren Freund Hans aus Hamburg. Über ein Jahr haben sich die beiden nicht gesehen, das letzte Mal in Herrmansburg in Schlesien, vor der Flucht von Henni mit ihrem Vater und ihrer elf Jahre jüngeren Schwester Annelore nach Oberkirchenrat.

Henni ist total verliebt in den Seemann, der bei der Marine ist, und dessen Berührungen sie doch so lange entbehren musste. Weiß sie überhaupt noch, wie diese Lippen schmecken, die köstlichen, verheißungsvollen Lippen von ihrem Hans?, fragt sie sich. Und ja, natürlich, die vergisst sie nicht. Und deshalb seht für Henni fest, ein adrettes Kleid muss her, bevor sie ihren starken Seebären empfängt. Aber woher nehmen in den Nachwehen des Krieges, indem man eh von der Hand in den Mund lebt und textile Träume in der Regel unerfüllt bleiben?!

Gewusst wie, mit einer Dorfgemeinschaft im Schaumburgischen, in der man zusammenhält und in denen die Damen der jungen Henni gern behilflich sind. Mit Gardinen. Aus Schals nähen sie der Verliebten ein floral geprägtes Sommerkleidchen. Henni strahlt übers ganze Gesicht. Ja, jetzt kann ihr Hans kommen, jetzt fühlt es sich richtig an mit dem neuen Gewand und der Aussicht auf eine sonnige Zukunft mit ihrem gestandenen Mannsbild.

Und dann ist er eines Tages da – steht vor der Tür der bescheidenen 1-Zimmer-Unterkunft in Obernkirchen – und räuspert sich. Henni ist nach dem ersten sagenhaften Glücksmoment doch erschrocken. Was ist los, was macht Hans für ein Gesicht?! Der gesteht ihr mehr stotternd als verständlich, dass er doch in Hamburg habe Flüchtlinge aufnehmen müssen. Und ja, da habe es sich so ergeben, dass er das Mutter-Tochter-Gespann, das seit einiger Zeit bei ihm lebe, näher kennen gelernt habe. Und das müsse sie, Henni, doch verstehen, dass sich bei dieser Nähe etwas angebahnt habe zu der jungen Frau. Und seine Schwiegermutter in spe habe auch gemeint, dass ein Mannsbild wie er, gut aussehend und verbeamtet, doch nicht so lang allein bleiben könne. Und nun sei er eben verbandelt mit der Tochter. Während er sprach, wurde er ruhiger und Henni immer angespannter. Was sollte das bedeuten? Sie müsse ein Leben ohne ihren Hans leben …?

Ja, das musste sie. Sie lebte ohne ihre große Liebe, aber mit einem guten Mann, Erich, mit dem sie in tiefer Freundschaft verbunden war. Die große Liebe fand sie nochmal in der Beziehung zu ihren Söhnen. Und zum Enkel. Die kleine Annelore von damals erzählt mir diese Geschichte, sie ist heute selbst dreifache Oma und meine Schwiegermutter. Ich bin irgendwie berührt von der Geschichte über die Liebe des Lebens, die man ziehen lassen muss. Milliardenfach und noch viel öfter kommt dies vor, die Gefühle, die beim Erzählen der Geschichte bei meiner Schwiegermutter mitschwingen, zeigen: Die große Liebe vergisst man nicht. Deshalb lohnt es sicher immer, um sie zu kämpfen. Denn das ist das wichtigste. All you need is love.

Guter Hoffnung sein

Herz Behinderung

37 Grad – große Überschrift für eine ebenso große Reportagereihe des ZDF. Gerade in diesen Zeiten der unkontrollierten Veröffentlichungen im Netz wird der Wert der unkommentierten Berichterstattung umso immenser. Die Kollegen aus der 37-Grad-Redaktion schicken Bilder auf den Äther, die der Betrachter selbst bewerten kann und soll. Sie sind so objektiv, wie es die klassische Chronistenpflicht verlangt. In eben einer solchen Folge dieser Reihe erlebten wir jüngst Eltern, die sich trotz umfangreicher Pränataldiagnostik der leider heutzutage immer mehr propagierten Auslese der Föten im Mutterleib verwehren. Die das Leben als solches anerkennen und „Ja“ sagen zu ihren Kindern mit Beeinträchtigungen. Mütter und Väter, die erkannt haben, dass wir Menschen kein Recht haben zu entscheiden, welches Leben lebenswert ist oder nicht.

Überhaupt: Wie widersprüchlich können wir als Gesellschaft sein, schützen wir den Feldhamster und die Wiesenschildkröte, propagieren aber mit eigens entwickelten Bluttest im Rahmen der Pränataluntersuchung, dass zum Beispiel ein Mensch mit Down-Syndrom nicht den Wert habe wie ein anderes Leben und bis zur Geburt abgetrieben werden könne. In was für einer Welt leben wir, wo solche menschenverachtenden Maximen ausgegeben werden?! In der 37-Grad-Reihe waren die drei Elternpaare auf der Seite ihrer Kinder. Denn es sind ihre Töchter, ihre Söhne, die sie auf die Welt bringen – mit oder ohne Beeinträchtigung, ihre Mädchen und Jungen sind Menschen.

Und sind wir doch mal ehrlich, was wissen wir schon, ob nicht ein vermeintlich gesunder Nachwuchs im Laufe seines Lebens eine Behinderung erfährt?! Oder vielleicht sogar auch schon während der Geburt, was in 80 Prozent der Fälle der beeinträchtigten Kinder bilanziert werden muss?! Will man dann seine Kinder abschieben, weil sie die Norm nicht mehr erfüllen?! Und was ist überhaupt diese Norm-Erfüllung, was ist normal?! Mediziner sagen vielen werdenden Eltern, die ein Kind mit Beeinträchtigung erwarten, dass ihnen ein schweres Leben bevorstehe würde. Woher wollen sie das wissen? Sind sie Propheten? Und sind sich eben jene Mediziner sicher, dass auf ihren Lebenswegen keine Hürden auf sie warten? Natürlich nicht, warum also setzen sie die Mütter, die guter Hoffnung sein sollen, derart unter Druck?! Diese Schwangeren sollten vielmehr die Mütter und Väter besuchen, die bereits glückliche Eltern von Kindern mit Beeinträchtigungen sind, und diese fragen, wie sie sich fühlen, wie sie das Leben gestalten. So wie die Elternpaare, in der 37-Grad-Reportage, die ganz selbstverständlich, auch teilweise mit Ängsten, wie das immer so ist bei Neuem, ihre Kids mit den Besonderheiten zur Welt gebracht haben. Denn Sie wissen, was sie tun – einfach ihre Kinder, ihren Nachwuchs, ihre Töchter und Söhne zur Welt bringen und auf ihren Weg begleiten – mit guter Hoffnung.

In der 37-Grad-Reportage lernten wir beispielsweise Eltern kennen von einem Zweijährigen, der eine seltene Chromosomen-Besonderheit hat und dem keine Überlebenschancen von Seiten der Medizin gegeben worden waren. Aber Paul entwickelt sich – trotz aller nicht wissenschaftlich belegten Prognosen – munter, benötigt täglich eines besonderen Pflegebedarfs, trabt dennoch fröhlich durch die Welt. Genauso wie seine Eltern, die vieles einfach nur anders machen im Alltag als andere Mütter und Väter. Pauls Mutter und Vater nutzen beispielsweise die heutigen Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten , die noch niemals so gut und umfangreich waren wie heute.

Paul geht es gut. Das sagten die TV-Bilder aus. Das sollte allen werdenden Eltern Mut machen, guter Hoffnung zu sein. Immer. Gleichgültig, welche Aussagen in der Pränataldiagnostik gemacht werden. Denn: Jedes Leben ist eine einzigartige Geschichte.

Augenblicke mit Enten

quietscheentenMeine Tochter sammelt Enten. Bitte kriegen Sie sich wieder ein, natürlich keine lebende Spezies aus der Gattung des Gänsevogels, sondern diese quietschigen. Mit diesen Badwannen-Kollegen hatte ich heute ein besonderes Rendezvous. Gebeutelt von Rücken und Co. gönnte ich mir seit langem wieder (normalerweise bevorzuge ich aus Zeitgründen die heiße Dusche am Morgen) ein Wohlfühl-Schaumbad. Und mitten in meinen tieftragenden Gedanken (oder was ich dafür hielt) beäugten mich diese Gesellen keck von ihren Standorten am Badewannenrand an. Das witzige war: Sie blickten alle in meine Richtung, als hätten sie sich extra aufgereiht für mich und wollten mich von meiner Nachdenklichkeit ablenken. Das ist Ernies Kollegen auch tatsächlich gelungen. Ich musste lächeln ob der mal liebevollen, mal skeptischen, mal anfeuernden Blicke. Und so schafften sie es, dass ich eine kurze Ansprache hielt und vor der versammelten Enten-Mannschaft mir lautstark vornahm, mich wieder auf die optimistische Seite zu schlagen. Ja, dieser Blickwechsel hat was mit Gelenkwohl zu tun. Wer im tiefen Tal der Grübeleien versinkt, der hat den Rücken niemals frei. Denn: „Es ist der Geist, der sich den Körper baut“, wie schon Friedrich Schiller erkannte. Das Stelldichein mit den Quietschis tat gut. Da brauchte es auch gar kein Entspannungsbad mehr, dass ich grad ohnehin nicht im Haus hatte. Enten als Körperbalsam – doch das gibt’s, und das ist keine Ente.

Empathie ist der größte Schatz

EmpathieIch habe im Laufe meines Lebens schon viele Menschen kennen gelernt. Habe schon einige Jährchen auf dem Buckel. Und je mehr ich Gattungsgenossen studieren durfte, desto mehr weiß ich um die unspektakuläre Bedeutung des klassischen IQ. Wissenschaftlich gemessen kann man eine Zahl herausfiltern, aus der sich aber auf keinen Fall ein erfolgreicheres Leben ableiten lässt – nach dem Motto: Je höher der Intelligenzquotient, desto produktiver ist der Mensch. So ist es nicht. Die Lebenswege sind nicht abhängig vom Scharfsinn, wissenschaftlicher Bildung, sondern vielmehr von Zufällen, Entscheidungen, Ansichten aufs und rund ums Leben. Wer empathisch ist, fühlt sich in der Regel mehr mitten im Leben als derjenige, der der Intelligenz nach dem Duden angehört. Wer dazu noch über eine stabile Resilienz verfügt, hat gute Karten, die Hürden des Lebens mit Stärke zu nehmen. Hirnforscher wie Gerald Hüther propagieren längst, dass die Gesellschaft von morgen nicht die Intellektuellen prägen werden, sondern vielmehr diejenigen, die gelernt haben, in der großen Gemeinschaft den Einzelnen zu erkennen und Wert zu schätzen. Empathie ist das größte Pfund, mit dem man in Zukunft wuchern kann und sollte. Das Individium erkennen und Talente zusammenführen bringt den größtmöglichen Erfolg. Nicht nur für die persönliche Zielerreichung, nicht nur für eine soziale gesunde Gesellschaft, sondern auch für ein wirtschaftlich stabiles Land.