Inklusion – aber richtig!

 

 

Der Streit um inklusive Bildungsmodelle nimmt skurrile Ausmaße an. Von einer Pause, die man in diesem Bereich mal machen könne und solle, so lauten die Schlagzeilen in der hannoverschen Medienlandschaft. Wie bitte? Ein Menschenrecht soll pausieren?! Soweit kommt es noch! Inklusive Beschulung funktioniert – das beweist alltäglich zum Beispiel die Otfried-Preußler-Schule in der Südstadt Hannovers. Eine Grundschule, die Kinder mit und ohne Beeinträchtigung zum Lernen einlädt. „Inklusion – aber richtig!“: Das ist das Motto aus meiner Sich

„Natürlich lernt jedes Kind auf seiner Leistungsstufe“, betont Alexandra Vanin, Rektorin der Otfried-Preußler-Schule in Hannovers Südstadt. In die Klasse 3a  ihrer Schule mit dem Motto „Wurzeln geben – Vielfalt leben“ gehen beispielsweise vier Kinder mit so genannter geistiger Beeinträchtigung. Sie alle gemeinsam haben Anrecht auf Förderstunden, die es in der Summe möglich machen, dass in der 3a ständig ein Lehrer-Duo unterrichtet. Noch dazu stehen den Pädagogen drei Schulassistenten zur Seite, die aus einem schuleigenen Pool aus Inklusionshelfern kommen. Das unterstütze den Teamgedanken im Kollegium, erklärt die Schulleiterin und ergänzt: „Für die Lehrer ist es oft vorteilhaft, dass sie nicht mehr allein die auftretenden Probleme innerhalb einer Klasse bewältigen müssen.“ Schließlich gäbe aus auch immer mehr so genannte Regelkinder, die ebenfalls Unterstützungsbedarf hätten.

Seit zehn Jahren befindet sich die Otfried-Preußler-Schule auf dem inklusiven Weg. Rektorin Margret Dahm, Vorgängerin von Alexandra Vanin, hatte das neue Zeitalter in dem Gebäude an der Meterstraße eingeläutet. Damals noch auf Druck von Eltern, „aber schon aus voller Überzeugung“, so die heutige Schulleiterin. Viel dazulernen mussten Lehrer, Eltern wie Schüler, um fürs gemeinsame Miteinander Hemmschwellen und Ängste zu überwinden. „Es ist normal, verschieden zu sein, ist seitdem das Motto unserer Schule“, sagt Vanin. Für ihr innovatives Konzept und die gute pädagogische Umsetzung hat die Otfried-Preußler-Schule mittlerweile einige Preise eingeheimst.

2016 Jahr ist die Schule in die Birkenstraße umgezogen. Die neuen Räumlichkeiten bieten den idealen Rahmen für gelebte Inklusion im Bildungsbereich. 374 Mädchen und Jungen besuchen derzeit die Vorbildschule für die gemeinsame Erziehung behinderter und nicht behinderter Kinder. 33 davon haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf – von der Sprache über die geistige Entwicklung bis hin zu den Bereichen Lernen, Hören, Sehen oder Motorik. Für eine gelungene Inklusion sei es Vanin zufolge nötig, alle mitzunehmen: die Kinder, die Eltern und nicht zuletzt die Lehrer. „Die Pädagogen, die eine gemeinsame Beschulung von behinderten und nicht behinderten Kindern umsetzen sollen, müssen darauf richtig vorbereitet werden“, sagt sie. „Daran hapert es vielerorts noch.“

Damit das gemeinsame Unterrichten funktioniert, wird darauf geachtet, dass die Schulklassen gut gemischt sind – und dass jedes Kind individuell gefördert wird. Viel Wert wird auf selbst organisiertes Lernen gelegt, Teamarbeit wird großgeschrieben. Auch unter den Lehrkräften. Gemeinsam gestalten die Pädagogen den Unterricht so, dass jedes Kind Aufgaben bekommt, die seinem Wissensstand entsprechen. Die Rektorin ist überzeugt: „Es ist die Aufgabe von Schule, das Leben in seiner ganzen Vielfalt abzubilden.“ Zudem würden Studien belegen, dass Kinder in inklusiven Schulen bessere Leistungen erbringen. Sei eine Schulklasse durchmischt, profitierten beide Seiten: Die Kinder mit Förderbedarf würden sich vieles von ihren Schulkameraden abschauen, die Mädchen und Jungen ohne Beeinträchtigungen könnten ihr Wissen vertiefen und soziale Kompetenzen erlernen. Durch Projektarbeit, Lernen an Stationen und anderen Methoden der inklusiven Didaktik würden die Schüler nicht nur rund ums Fachwissen, sondern auch zu Kooperation und Rücksichtnahme geschult. Durch den Lehr-Lern-Effekt, der eintritt, wenn ein Mädchen oder Junge einem Mitschüler etwas erkläre, festige sich das Wissen des Kindes, das in die Lehrerolle geschlüpft sei.

In der Otfried-Preußler-Schule wird seit fast einem Jahrzehnt erfolgreich praktiziert, was momentan deutschlandweit ein großes Thema ist. Für Vanin steht fest: „Inklusion funktioniert – wenn sie richtig gemacht wird.“ Gern mache sie Aufklärungsarbeit und informiere sachlich über die verschiedenen Hintergründe von Beeinträchtigungen. Sie versuche, Vorurteile auszuräumen, ließe aber Stimmungsmache gegen Inklusion an ihrer Schule nicht zu. „Ich bin nicht ansatzweise bereit, Feindseligkeiten Tür und Tor zu öffnen.“ Das hat sich für die Schule in der Südstadt gelohnt: Jüngst wurde sie vom Deutschen Down-Syndrom-Center mit dem nationalen Preis für vorbildliche inklusive Arbeit ausgezeichnet.

Ansichtssache Anti-Aging

dsc00340-e1535282253801.jpgKennen Sie das?! Erst locken die höheren Zahlen, dann ärgern sie, frustrieren gar. Ja, mit dem Alter ist das so eine Sache. Erst sehnte ich mich nach der 18. Da fährt’s sich halt selbstständiger. Die Jahre konnten nicht schnell genug ins Land ziehen bis zur Volljährigkeit. Heute, habe ich das Gefühl, überholt ein Monat den nächsten. Frau kommt in die Jahre, wo freundliche Parfümerie-Damen per se die Anti-Falten-Creme als Pröbchen über den Ladentisch schieben. „Es gibt da jetzt noch was ganz Neues“, flüstern sie.

Anstatt Minirock in der Disko lange Elternabende

Die Jungs in der Clique blicken eh seit geraumer Zeit nicht mehr so unschuldig bubihaft drein, klopfen zwar noch Sprüche, aber längst nicht mehr so naive. Abgekämpfte Familienväter sind sie, die sich ein Stück ihrer Jugend auf Inlinern zurückholen. Und die Freundinnen laufen anstatt mit Minirock und Pumps in die Disko mit bequemen Mutti-Tretern und angestrengter Miene zum Elternabend.

Beste Anti-Aging-Pflege

Dafür ist aus dem Kichern ist ein Schmunzeln geworden, die Beine sind – zwar angeschwollen – aber nicht mehr so unförmig wie als Teenager, die Nase ragt nicht mehr so groß ins unebene Gesicht – das Älterwerden hat auch Vorteile. Die Übertreibungen bei der Ansichtssache „Aussehen“ habe ich mir abgewöhnt, jedenfalls größtenteils. Je länger ich mich kenne, desto dünner werden die geschminkten Schichten. Und Tiefgehendes, behaupte ich, nimmt für mich zu. Trotzdem braucht Frau ab und zu einen „Anti-Age“-Bonbon. Und deshalb freut sie sich, wenn die Verkäuferin in einer Boutique sie ganz spontan duzt und eine andere Altersgenossin aber mit „Sie“ anredet. Da fühlt man sich gleich wieder zehn Jahre jünger. Und unter uns: Dieser Balsam für die Seele ist die beste Anti-Aging-Pflege.

Überall Lift-Boys

Diät„Wir sind die Hautevolee“ singt Rainhard Fendrich und nimmt damit musikalisch die Oberflächlichkeit der so genannten feinen, besseren Gesellschaft auf die Schippe. Aktualisieren müsste er heute seinen Text, denn nicht mehr allein die Oberschicht reckt und streckt sich nach äußerlichen Idealen (wie auch immer die definiert sind …). Auch Nadja-Normal-Verbraucherin steht der Sinn nach Schönerem. Da wünscht man sich schon mal einen neuen Busen zum 18. Geburtstag. Und als Mittzwanzigerin kann man sich nach dem ersten Kind den kleinen Bauchansatz im Nu wegoperieren lassen. Macht ja flach – und das ist angesagt. Und weil Frau schon mal dabei ist, bestellt sie beim Schönheitsdoc auch gleich noch den begehrten Schmollmund. Schließlich: Dicke Lippen will Mann küssen, sagt der Zeitgeist. Mein Kopf soll schöner werden, meint daraufhin die manipulierte Damen und begibt sich in die Hände des Lift-Boys. Sie sollte lieber mal das Innere ihres Schädels überprüfen lassen.

In Zwangsrolle hineinkomplimentiert

Wer nicht gleich im OP schmale Lippen verlieren und Silikon gewinnen will, freundet sich mit der kleinen Lösung an. Und die heißt heutzutage: Mieder der Superlative. Da sülzt sich in einer Frauensendung (!) im TV ein graubefrackter Typ mit bierversorgtem Leib aus über weibliche Problemzonen und wie Frau diese doch wegstecken kann. Nur halb so viel einzwängen wie früher müsste sie sich heute, sagt der Mann mit dem sicherlich teuren Bauch. Sind das magere Zeiten. Endlich auch eine Antwort auf die Frage, warum es heutzutage allerorten so stressig ist. Wir vergeuden Zeit für Oberflächlichkeit.

Ungefragt herumgefragt

Überflüssig„Ist das heiß!“ lautet das kollektive Stöhnen in diesen Tagen. Statt Willkommensgruß gibt’s die Wetteransage. Doch: Trotz des Hitzegejammers sind die Oldies gut drauf. Die reiferen Herren der Schöpfung prahlen mit der Lust und Leidenschaft des nachklingenden Lenzes

Herrlichkeit der Männlichkeit mach Furore

55 bis 70 Jahre alte Männer fühlen sich in der warmen Jahreszeit potenter als sonst, so das Ergebnis einer Umfrage. Die Sehnsüchte nach zwischenmenschlichen Kontakten, bei denen man sich im Wortsinne hautnah kommt, sind bei sommerlichen Temperaturen größer als zu kühleren Zeiten. Ist das Wetter bescheiden, steht’s um das beste Stück des nicht mehr ganz jungen Mannes auch nicht besser. Ist allerdings Sommer-Sonnen-Laune angesagt, macht die Herrlichkeit der Männlichkeit Furore (meinen jedenfalls die betagten Befragten selbst).

Notorisches Schönfärben

Und was lehrt uns dieses Ergebnis der Massen-Interviews? Dass zahlreiche Umfragen so überflüssig sind wie schon die Ideen zu solchen „Forschungen“. Und dass das „starke“ Geschlecht eben zu spezifisch übermächtigen Bekenntnissen neigt. Herrliche Übertreibungen sind halt alt-er-probt, kennen – was die Jahre des notorischen Schönfärbens angeht – keine Grenzen.

So wie wir sind: Jeder ist anders

comp_IMG_9708_1Hannover ist Vorreiter. Ja, die Stadt an der Leine kann – oft als kühle norddeutsche City verleumdet – Leuchtturmprojekte rund ums gelungene humane Miteinander aus dem Boden stampfen. Ferien inklusiv und Klimaschutz – so hieß ein Sommerferiencamp für Kids, für alle Kids zwischen 6 und 14, ob nun mit bescheinigter Beeinträchtigung oder angeblich ohne eine solche. Die Vereine Aktiv DabeiSein und Down-Syndrom Hannover organisierten mit und in der Freien Martinsschule in Laatzen sowie mit der Unterstützung der Region und der Stadt Hannover, der Aktion Mensch, der BINGO Umwelt-Stiftung, der Stiftungen der Sparda-Bank und von Edeka sowie dem Therapie- und Sportverein Hemmingen eine Freizeit, bei der sich Mädchen und Jungen aus allen Lebenslagen, mit allen Hautfarben, allen Besonderheiten unkompliziert kennen und schätzen gelernt haben.

Von den Kindern lernen

Wir Alten reden so viel von Inklusion und wie das gehen soll – und die Jungen machen es uns vor. Natürlich muss die Unterstützung von pädagogisch engagierten Menschen gewährleistet sein, damit Kinder mit Besonderheiten sich selbstverständlich dazugesellen können. Aber ich denke, das macht eine soziale Gesellschaft aus, dass das WIR im Mittelpunkt steht. Eltern, die gegen eine inklusive Beschulung sind, weil aus ihrer Sicht das vermeintliche Prachtkind doch durch einen Mitschüler mit einer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigung zu kurz käme, kennen nicht die aktuellen Fakten von Wissenschaftlern wie beispielsweise Hirnforscher Gerald Hüther. Er und seine Kollegen meinen, dass gerade das Lernen in einer Gruppe unterschiedlichster Menschen zu mehr schulischen Erfolgen und sozialer Kompetenz führt. Durch den Lehr-Lern-Effekt, der eintritt, wenn ein Kind einem anderen Mädchen oder Jungen etwas erklärt, festig sich das Wissen des Kindes, das in die Lehrerolle geschlüpft ist. Und viele Mütter und Väter in der Rolle der Inklusions-Kritiker vergessen leider auch allzu oft, dass sie nur zufällig Eltern eines so genannten „Durchschnittskindes“ geworden sind. Auch ihre Familie hätte um ein liebes Menschenkind mit physischen oder geistigen Beeinträchtigungen vergrößert werden können. Und dann hätten sie vielleicht verstanden, dass Menschen mit Behinderung nicht automatisch am Rand stehen, dass sie vielmehr von der Gesellschaft zu Außenseitern gemacht werden.

Neue Freunde

Das gemeinsame Entdecken im Feriencamp förderte soziale Fähigkeiten, Toleranz und das Gefühl der Anerkennung. Jedes Kind dort war mit seiner Unterschiedlichkeit willkommen. Und die Mädchen und Jungen knüpften Freundschaften, fragten zwar nach Defiziten, doch die Erklärungen der Pädagogen reichten, damit die neuen Freunde akzeptiert wurden – und zwar so, wie sie sind.

 

Extrovertierter geht’s nicht

Mr. Wichtig

Wer forsch auftritt, hat Erfolg. Extrovertiertes Verhalten, so haben Bielefelder Psychologen festgestellt, kommt beim Gegenüber schon auf den ersten Blick gut an. Sicher, sicher, dieser Mr. Wichtig, der mit seinem unverschämt breiten Lachen und seinem gar nicht dezenten Augenzwinkern im Restaurant auf sich aufmerksam machen will, muss Frau einfach auffallen. Erst recht, wenn er noch quer über den Saal brüllt: „Kennen wir uns nicht von irgendwo her?!“ Ja, ja, das ist wirklich originell.

Und sie tänzelt an seinen Tisch …

Und so mutig von diesem Herrn der Schöpfung, einen unvermittelt und plump anzusprechen. Schon vergisst Frau, dass sie doch eigentlich in Ruhe speisen wollte – bei so viel extrovertiertem Potenzial. Und sie verwirft ganz schnell den Gedanken, dass sie solch ein Auftreten eher für arrogant als denn für adrett hält. Das behaupten jedenfalls die Psychologen. Und die müssen’s ja wissen. Eine kräftige Stimme, ein sicherer Gesichtsausdruck und ein ausgeprägtes Lächeln sind der Weg zum Erfolg. Also begegnet die „Auserwählte“ Mr. Wichtig im Restaurant auf die anerkannt erstrebenswerte Weise: mit freundlichem und sicherem Gesichtsausdruck – ganz im Sinne der Psychologen – tänzelt sie an seinen Tisch, hält dabei direkten Blickkontakt und elegant vor ihm an. Sie nimmt sein Weinglas – Verzeihung, Mr. Wichtig trinkt Bier; sie nimmt also das Gerstensaft-Gefäß und lässt die Flüssigkeit nonchalant über sein gepflegtes Äußeres, sein trendiges Outfit und die perfekte Frisur laufen. Extrovertierter kann Frau wohl kaum sein.

Neue Köpfe

Haben Sie trendiges Köpfchen? Was? Sie wissen es nicht? Tja, dann wollen wir doch mal haarscharf analysieren, wie sich die Mode fürs Oberhaupt überhaupt beschreiben lässt. Also erstens: Erlaubt ist, was gefällt. Das ist schon mal gut so, braucht Frau keine Ausreden mehr zu erfinden für den Look „Frisch aus dem Bett gekommen“. Ist doch trendy, das Strubbelhaar. Erlaubt ist, was gefällig zu pflegen ist.

Neue Natürlichkeit macht Mähne

Was erfahren wir noch von den „angesagten Lockenwicklern“, pardon Star-Hairstylisten?! Zweitens: Neue Natürlichkeit macht Mähne. Umso besser: Dann können wir uns ja das kleine Vermögen (und wenn ich Vermögen schreibe, dann meine ich Vermögen) für den wöchentlichen Friseurbesuch in den Sparstrumpf stecken. Und die Euros einfach aufbewahren für die haarkleine Vorbereitung eines Glamour-Abends.

Ponypartien doppelt coloriert

Denn Obacht, meine Damen: Wollen Sie auf die Piste gehen und einfach da tanzen, wo andere nur langweilig gehen, sprich: Wollen Sie zur Partyqueen schlechthin avancieren, dann hat der Nature-Look keine Chance mehr. Das atemberaubende Styling zur Nacht ist für diese Zwecke angesagt; und genauso umwerfend wie das Ergebnis einer solchen Celebrity-Frisur ist anschließend die Rechnung. Schließlich müssen die Ponypartien da doppelt coloriert, die Strähnen plakativ gesetzt werden.

Bei Jens im Designer-Appartement

Was lernt Frau daraus? Dass Sie lieber nicht groß ausgehen sollte? Nein, keineswegs: Sie sollte vielmehr selbstbewusst die Individualisten-Image-Devise pflegen und die Bed-Hair-Nights als die Novität für den Schopf verkaufen. Und wenn das alles nicht überzeugt, gibt’s ja in dieser Saison idealerweise das nette Stoffaccessoire um den Kopf. Haarbänder sind hollywoodtauglich und drum erst recht in der Eifel oder im Sauerland angesagt. Regelrecht werben lässt’s sich so gestylt: 20 Uhr „Marco Polo“, der Stammitaliener um die Ecke – die Frisur sitzt; 22 Uhr Joe’s Biersalon – die Frisur sitzt; 3 Uhr morgens bei Jens im Designer-Appartement – okay, die Frisur hat gelitten, doch das Haarband sitzt immer noch auf dem Haupt der verchromten Mozartbüste. Entschuldigung, Wolfgang Amadeus, aber schlimmer als die silberne Verkleidung konnte es doch ohnehin nicht mehr kommen.

Flotter Zeitgeist

Der Zeitgeist bietet originellen Ideen nicht nur die Basis für erfolgsversprechende Geschäfte. Die heutige Toleranz für verrückte Einfälle ist scheinbar unerlässlich, will man einen neuen Weg beschreiten im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Gut, dass Dienstleistungen heute das Schlagwort der Zukunft markieren, wissen wir. Aber welche Formen diese annehmen können, das überrascht schon. Und beweist: Wir Deutschen, denen oft Farblosigkeit in punkto Fantasie vorgeworfen wird, haben doch kreative Ressourcen. Noch dazu welche, mit denen Mann oder Frau Geld verdienen kann. „Nostalgie pur“ ist bei solcherlei zukunftsorientierten Geschäften angesagt.

Nackte Tatsachen oder Charly hat nicht nur eine Tante

Wussten Sie beispielsweise, dass Jungunternehmer Charly nicht nur eine Tante hat, sondern auch einen Nackt-Putz-Service?! Wer Vouyer genug ist, kann sich ein Heinzelmännchen oder -weibchen nach Hause bestellen. In diesen Ich-AGs wird Freikörperkultur gepflegt und dabei Staub gewedelt. Der Saubermann im Adamskostüm feiert ein Comeback – der Kunde darf (zu)gucken, Körperkontakt allerdings ist tabu. Ja doch, es soll Leute geben, die immer noch oder schon wieder kräftig hinblättern für entblätterten Roomservice.

Kontaktbörse im guten alten Café Keese

Und aufgepasst: Romantikerinnen brauchen nicht länger auf den Prinzen warten, sondern können selbst die Initiative ergreifen. Einen Frosch müssen Sie dafür nicht küssen, meine Damen. Tatsächlich gibt es in Hamburg eine Agentur, die vermittelt Entführungen ins legendäre Café Keese beispielsweise. Ohne Schimmel allerdings und nicht gerade zur Zeit eines Sonnenaufgangs. Dafür kann Frau in dem berühmten Etablissement ihren Traummann oder denjenigen, der diesem Ideal (sehr) nahe kommt, anläuten oder sich anklingeln lassen. Die Kontaktbörse von Tisch zu Tisch läuft auf Hochtouren. Dass der heiße Draht aber immer so richtig glüht, ist anzuzweifeln. Schließlich: Wer will schon beim ersten Mal die schnelle Nummer?! Da bleibt Frau doch lieber allein unter Millionen Gleichgesinnten: den Singles. Si, la solo amica.