
An Tagen wie diesen laufe ich durch sonnige Herbststraßen und „reise“ in kurzen Pausen zwischen beruflichen Gedanken und Terminwirrwarr im Kopf in meine Kindheit. Da war es um diese Jahreszeit schwer angesagt, Kastanien zu sammeln und stolz die erbeuteten Laubbaumfrüchte nach Hause zu tragen. Schließlich waren diese hart erarbeitet. Wir Kinder machten ein regelrechtes Wettrennen um die Sammelaktionen – und an den meisten bekannten Baumstandorten war demzufolge noch nicht mal mehr eine klitzekleine Kastanie zu finden. Triumphierend ging man in die Runde, hatte man bei Ausflügen auswärts einen Baum ausgemacht, der noch ein paar Früchtchen aufbieten konnte. Und nach all dem Rummel um die kleinen Herbstboten gab’s dann daheim noch das Bastelvergnügen. Eine tierisch gut aufgestellte Truppe aus Kastanien brachte man auf diese Art und Weise in die Setzkästen oder auf andere dekorative Ausstellungsplätze. Natürlich, um die Frage „Ist das schick oder kann das weg?!“ lässt sich streiten. Aber wir Kinder liebten unsere Kastanientradition und gingen mit Vorfreude in den Herbst.
Heute laufe ich durch bekannte Straßen in Hannover und trete allerweil auf die Dinger, die ich doch als kleines Mädchen so heiß begehrt hatte. Überreif sind sie, achtlos fristen sie ihr unbebasteltes Dasein auf dem Boden. Und ich bin etwas wehmütig, denke, dass die schöne Tradition doch vielleicht mal ein gutes Äquivalent wäre zu „Sims“ und Co.. Klar, Computerspiele haben ihre Berechtigung, können Phantasie fördern und auch lehrreich sein. Doch als Ausgleich zum Daddeln könnte doch mal wieder die vergessene Baumfrucht am Start sein. Also: Hey Kids, wie wär’s? Socken scharf machen und eine gediegene Kastanien-Challenge planen – dann kann einem auch mal eine Bambusleitung völlig schnuppe sein. Den nächsten Facepost könnt Ihr später noch lesen. Und wenn ich mit dieser Ansicht Retro bin, dann ist mir das echt rille.



Hans Lüttich räuspert sich. Er hat eine aus seiner Sicht unangenehme Unterhaltung vor sich, aus Perspektive seiner Gesprächspartnerin wird sich diese richtig tragisch gestalten. Wir schreiben das Jahr 1945, die 23-Jährige Henni wartet sehnsüchtig auf ihren Freund Hans aus Hamburg. Über ein Jahr haben sich die beiden nicht gesehen, das letzte Mal in Herrmansburg in Schlesien, vor der Flucht von Henni mit ihrem Vater und ihrer elf Jahre jüngeren Schwester Annelore nach Oberkirchenrat.
Meine Tochter sammelt Enten. Bitte kriegen Sie sich wieder ein, natürlich keine lebende Spezies aus der Gattung des Gänsevogels, sondern diese quietschigen. Mit diesen Badwannen-Kollegen hatte ich heute ein besonderes Rendezvous. Gebeutelt von Rücken und Co. gönnte ich mir seit langem wieder (normalerweise bevorzuge ich aus Zeitgründen die heiße Dusche am Morgen) ein Wohlfühl-Schaumbad. Und mitten in meinen tieftragenden Gedanken (oder was ich dafür hielt) beäugten mich diese Gesellen keck von ihren Standorten am Badewannenrand an. Das witzige war: Sie blickten alle in meine Richtung, als hätten sie sich extra aufgereiht für mich und wollten mich von meiner Nachdenklichkeit ablenken. Das ist Ernies Kollegen auch tatsächlich gelungen. Ich musste lächeln ob der mal liebevollen, mal skeptischen, mal anfeuernden Blicke. Und so schafften sie es, dass ich eine kurze Ansprache hielt und vor der versammelten Enten-Mannschaft mir lautstark vornahm, mich wieder auf die optimistische Seite zu schlagen. Ja, dieser Blickwechsel hat was mit Gelenkwohl zu tun. Wer im tiefen Tal der Grübeleien versinkt, der hat den Rücken niemals frei. Denn: „Es ist der Geist, der sich den Körper baut“, wie schon Friedrich Schiller erkannte. Das Stelldichein mit den Quietschis tat gut. Da brauchte es auch gar kein Entspannungsbad mehr, dass ich grad ohnehin nicht im Haus hatte. Enten als Körperbalsam – doch das gibt’s, und das ist keine Ente.
Ich habe im Laufe meines Lebens schon viele Menschen kennen gelernt. Habe schon einige Jährchen auf dem Buckel. Und je mehr ich Gattungsgenossen studieren durfte, desto mehr weiß ich um die unspektakuläre Bedeutung des klassischen IQ. Wissenschaftlich gemessen kann man eine Zahl herausfiltern, aus der sich aber auf keinen Fall ein erfolgreicheres Leben ableiten lässt – nach dem Motto: Je höher der Intelligenzquotient, desto produktiver ist der Mensch. So ist es nicht. Die Lebenswege sind nicht abhängig vom Scharfsinn, wissenschaftlicher Bildung, sondern vielmehr von Zufällen, Entscheidungen, Ansichten aufs und rund ums Leben. Wer empathisch ist, fühlt sich in der Regel mehr mitten im Leben als derjenige, der der Intelligenz nach dem Duden angehört. Wer dazu noch über eine stabile Resilienz verfügt, hat gute Karten, die Hürden des Lebens mit Stärke zu nehmen. Hirnforscher wie Gerald Hüther propagieren längst, dass die Gesellschaft von morgen nicht die Intellektuellen prägen werden, sondern vielmehr diejenigen, die gelernt haben, in der großen Gemeinschaft den Einzelnen zu erkennen und Wert zu schätzen. Empathie ist das größte Pfund, mit dem man in Zukunft wuchern kann und sollte. Das Individium erkennen und Talente zusammenführen bringt den größtmöglichen Erfolg. Nicht nur für die persönliche Zielerreichung, nicht nur für eine soziale gesunde Gesellschaft, sondern auch für ein wirtschaftlich stabiles Land.
Ein Welpe namens Fee ist unser Leben geschneit. Und das sprichwörtlich, ist doch die kleine Malteserin sozusagen fast aus heiterem Himmel zu uns gekommen. Und mit schöner Konsequenz liegt das Fellknäuel gerade immer dort rum, wo ich gerade kochen, waschen oder sonst etwas unternehmen will. Sie ist das neue Geschwisterkind von unserer Großen, 10 Jahre jung, auch noch keine Alte, aber immerhin ein ganzes Jahrzehnt an Lenzen reifer als der weißhaarige Jungspund auf vier Pfoten.
Kennen Sie das?! Erst locken die höheren Zahlen, dann ärgern sie, frustrieren gar. Ja, mit dem Alter ist das so eine Sache. Erst sehnte ich mich nach der 18. Da fährt’s sich halt selbstständiger. Die Jahre konnten nicht schnell genug ins Land ziehen bis zur Volljährigkeit. Heute, habe ich das Gefühl, überholt ein Monat den nächsten. Frau kommt in die Jahre, wo freundliche Parfümerie-Damen per se die Anti-Falten-Creme als Pröbchen über den Ladentisch schieben. „Es gibt da jetzt noch was ganz Neues“, flüstern sie.